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Benny Jakobs über computergestütztes Live-Keyboarding

Einleitung

Möchte man sich in der heutigen Zeit als Live-Keyboarder ein neues Setup zulegen, steht man vor einer wichtigen Grundsatzentscheidung: Möglichkeit 1 ist auf die „klassische“ Variante, also ein Setup mit ein oder mehreren Synthesizer-Workstations, zurückzugreifen. Die zweite Möglichkeit wäre auf ein System mit Computer und entsprechender Software umzusteigen. Durch die in den letzten Jahren extrem angestiegene Rechnerleistung ist auch diese Möglichkeit live-tauglich geworden und nicht mehr ausschließlich großen Tonstudios vorbehalten.

Ich bin als professioneller Keyboarder tätig und spiele auf der Bühne ein computergestütztes Setup. Mit diesem Text möchte ich von meinen Erfahrungen berichten und ein paar Tips bzw. Hilfestellungen für diejenigen geben, die mit dem Gedanken spielen sich ein solches System zuzulegen bzw. darauf umzusteigen. Verständlicherweise bin ich mittlerweile ein Befürworter der Software-Variante. Vorab sollte aber trotzdem gesagt sein, dass sowohl die „klassische“ Hardware- als auch die Softwarevariante ihre Vor- und Nachteile mit sich bringt.

Für einen Keyboarder ist es auf der Bühne enorm wichtig über ein System zu verfügen, welches so stabil wie möglich läuft; denn was gibt es schon Schlimmeres als einen Systemabsturz mitten in der Performance? In diesem Punkt sind viele Keyboarder der Überzeugung „echte“ Synths hätten hier einen großen Vorteil gegenüber der Software. Diese muss ich nun leider enttäuschen: Aktuelle Synth-Workstations sind mittlerweile mit so vielen Funktionen ausgestattet, dass man auch mit dieser Variante nicht vor einem Absturz geschützt ist. Ich selbst war bei der Präsentation eines namhaften Herstellers Zeuge, wie eine Mega-Workstation (die sogar schon länger auf dem Markt war) so massiv abstürzte, dass nur noch ein kompletter „Neustart“ Abhilfe schaffen konnte.

Wie man sieht ist man auch mit einem „echten“ Synth nicht 100%ig auf der sicheren Seite. Beim Software-Setup hat sich diesbezüglich in den letzten Jahren aber viel geändert: Die Stabilität hat sich so stark verbessert, dass sie aktuellen Hardware-Workstations in nichts mehr nachsteht. Ich arbeite selbst schon sein Jahren mit Software auf der Bühne und habe schon seit langer Zeit keine nennenswerten Abstürze mehr zu verzeichnen. Wenn alle Komponenten (Rechner, Software und Audio-Interface) richtig aufeinander abgestimmt sind arbeiten sie zusammen, als hätte man eine einzige Workstation.

Bisher konnte noch keine Variante den entscheidenden Punkt für sich verzeichnen, deshalb stellt sich die Frage welche Vorzüge computergestütztes Live-Keyboarding bieten kann. Software bietet dem Keyboarder eine Vielzahl an Funktionen, die die Arbeit erleichtern und zudem eine fast unbegrenzte Soundvielfalt bieten. Auch das Sampling von Intros bzw. Sounds ist bedeutend einfacher als bei der Hardware-Variante. Eine weitere interessante Möglichkeit bieten Sequenzer (wie beispielsweise „Ableton Live“ oder „Apple Logic“) mit denen man Audio-Spuren zuspielen kann, um einen Song „fülliger“ zu machen (dann wird es aber notwendig, die Bandkollegen mit einem „Klick“ zu versorgen, was aber nur über InEar-Monitoring zufrieden stellend lösbar ist).



weiter zu: Was ist Latenz



• Einleitung
• Teil 1: Was ist Latenz?
• Teil 2: Der richtige Rechner
• Teil 3: Das Audio-Interface
• Teil 4: Das Masterkeyboard
• Teil 5: Das Host-Programm
• Teil 6: Software-Synthesizer
• Teil 7: Tips zum Transport und den Betrieb auf der Bühne
• Teil 8: Zum Schluss



Der hier veröffentlichte Text ist persönliches Gedankengut und Eigentum von Benjamin Jakobs. Jegliche Arten der Vervielfältigung, wie Druck, Kopie und/oder Veröffentlichung, sind nur nach Absprache und mit Einverständnis von Benjamin Jakobs bzw. der Schoenklang Musik Produktion gestattet.

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